100 Jahre CVJM Duisburg

An(ge)dacht

Februar bis April 2019:

"Suche den Frieden und jage ihm nach"

Psalm 34, 15

Suche den Frieden und jage ihm nach“ dieses Bibelwort aus dem 34. Psalm soll uns als Jahreslosung durch das Jahr 2019 begleiten. Beim ersten Lesen scheint es mir, als würde uns da ein heilloses Suchen und atemloses Hinterherjagen bevorstehen. Ist dieses Ziel überhaupt jemals zu erreichen?

Weltweit ist der Frieden bedroht. In den täglichen Nachrichten werden uns die immer neuen Kriegsschauplätze dieser Welt vor Augen geführt. Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht vor Unfrieden, Hunger und Unterdrückung. Europa schottet sich dagegen ab und sieht zu, wie Menschen auf der Flucht über das Mittelmeer ertrinken. Der Frieden in unserem Land ist bedroht, wenn Ängste vor Fremden bewusst geschürt und für die eigenen Zwecke instrumentalisiert werden; und es trägt auch nicht zur Befriedung unserer Gesellschaft bei, wenn die Schere zwischen arm und reich immer weiter auseinanderklafft. Viele Menschen sind unzufrieden mit dem eigenen Leben: weil eine Krankheit sie beeinträchtigt, weil sie eigenen oder fremden Ansprüchen nicht zu genügen scheinen, weil sie sich ausgegrenzt oder diskriminiert fühlen, weil sie am Sinn ihres Lebens zweifeln. So viel Unzufriedenheit und Unfriede. Im persönlichen Leben, in unserer Gesellschaft, weltweit.

Und gleichzeitig: so viel Sehnsucht nach Frieden. Schalom, das hebräische Wort für Frieden, meint weit mehr als nur die Abwesenheit von Streit und Krieg. Der Schalom Gottes zielt auf eine unversehrte Welt, in der „Gerechtigkeit und Friede sich küssen“ (Ps. 85), in der niemand ausgeschlossen ist von der Teilhabe am vollen Leben, in der wir versöhnt leben mit der ganzen Schöpfung
Gottes.

So weit sind wir noch nicht. Aber wir sind auf dem Weg dahin. Auch in unseren Gemeinden, kreiskirchlichen und diakonischen Einrichtungen. Wo Menschen das Wort Gottes als tragenden Grund für ihr Leben erfahren, wo sie sinnvolle Gemeinschaft erleben; wo wir uns bemühen, Ausgegrenzten Teilhabe zu ermöglichen, wo wir Benachteiligten zu ihrem Recht verhelfen, wo wir uns engagieren für Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung - überall da sind wir auf dem Weg. In kleinen Schritten zwar. Und manchmal gehen sie uns auch nicht weit genug. Aber es ist unendlich wichtig, dass wir sie gehen. Es sind Schritte auf dem Weg des Friedens.

Suche den Frieden und jage ihm nach“. Frieden ist möglich. Gottes Schalom ist uns verheißen. Indem wir uns mit dieser Verheißung auf den Weg machen, werden wir selbst verändert und verändern wir die Welt.

Pfr. Armin Schneider
Superintendent des Ev. Kirchenkreis Duisburg

 

Zur Jahreslosung 2019 hat Kirchenmusiker Daniel Drückes ein Lied geschrieben. Eine Aufnahme sowie Noten zum selber Singen finden Sie kostenlos im Internet unter www.kirchenmusik-duisburg.de